Die Kinder von Hoheneck

 

"Die Kinder von Hoheneck"

Hoheneck "Burg oder auch Schloß" im mittleren Erzgebirge liegend, gehört zum Ort Stollberg. Die Burg hatte die unterschiedlichsten Besitzer, ab 1864 erfolgte ihre Nutzung als Gefängnis, damals für Männer und Frauen vorgesehen.

1950 wurde sie von der Volkspolizei übernommen und als "Strafvollzugsanstalt Hoheneck" zu dem Frauenzuchthaus der DDR gemacht. Die ersten Häftlinge, die 1950 dorthin kamen, waren die Frauen, die nach Auflösung der sowjetischen Speziallager, u.a. Sachsenhausen zur weiteren Strafverbüßung an die DDR übergeben wurden. Entgegen jeder rechtsstaatlichen Norm waren diese Frauen von sowjetischen Militärtribunalen aus politischen Gründen verurteilt worden, und zwar oftmals zu 25 Jahren. Von den sowjetischen und den Organen der DDR wurden sie als Schwerverbrecher bezeichnet.

Es lebten aber nicht nur weibliche Häftlinge hinter den Mauern, sondern auch Babys und Kleinkinder, die in den Speziallagern Sachsenhausen und Bautzen geboren wurden. So waren unter den 1119 Frauen, die am 11. Febr. 1950 von Sachsenhausen nach Hoheneck transportiert wurden, auch mind. 30 Babys und Kleinkinder. Auch in Hoheneck wurden Kinder geboren. Aber alle durften nur einige Monate bei ihren Müttern bleiben, bevor sie getrennt und in der Regel in Kinderheime der DDR abgeschoben wurden.

Bis zur Wende war Hoheneck Haftanstalt für weibliche Gefangene. Das Leben in den überfüllten, primitivst ausgestatteten Zellen und Sälen wurde oftmals noch durch Schikanen und Psychoterror nahezu unerträglich. Der größte Teil der von den sowjetischen Militärtribunalen verurteilten Frauen wurde bis 1956 entlassen. Die Frauen, die dann ihre Strafe in Hoheneck verbüßen mussten, waren von den deutschen Justizorganen verurteilt worden, und zwar oftmals ebenfalls aus politischen Motiven, wie versuchter Republikflucht. In den 70er und 80er Jahren wirkte sich die gemeinsame Unterbringung von politischen und kriminellen weiblichen Häftlingen (zum Teil in Großraumzellen bis zu 24 Personen) zusätzlich erschwerend aus.

 

 

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